Hausgottesdienst für Sonntag, 31. Januar 2021

Vierter Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr B

von Pfarrer Michael Paul
Lektorin: Melanie Walter

Lied zur Eröffnung: GL 828 (Da wohnt ein Sehnen in tief in mir)

Kreuzzeichen

Im Namen des + Vaters, des + Sohnes und des + Heiligen Geistes. Amen.

Statio

„Mensch, hüte dich vor dir! Wirst du mit dir beladen, wirst du dir selber mehr als tausend  Teufel schaden.“ Angelus Silesius hat das geschrieben; er lebte im 17. Jahrhunderts.

Wir würden das heute nicht mehr so sagen, wie dieser Mystiker. Dass jeder sein Päckchen zu tragen hat, so sagen wirs bekanntlich im Volksmund. Manchmal kann einem das sogar ein Trost sein, dass alle so ihren Kummer haben.

Was aber, wenn man das Gefühl hat, mit sich selbst beladen zu sein, mit dem eigenen Leben? Angelus Silesius meint genau das. Mit sich selbst beladen sein. Wkr tragen alle ganz schön was mit uns rum. Tragen Sehnsüchten, Wünschen, unterschiedlichsten Rollen, denen man unbedingt gerecht werden will.

Denken wir an den Narziss aus der griechischen Mythologie, der fasziniert von sich selbst, aber auch beladen mit dem eigenen Ego, im eigenen Spiegelbild ertrinkt.

Wer mit sich selbst beladen ist, hat es nicht leicht. Dabei könnte alles einfacher, leichter sein. Aber wie werde ich das selbst auferlegt Päckchen los?

Vielkeicht so! Durch folgende Erkenntnis. Ich muss nicht alles zu schultern versuchen. Manches wird mir auch einfach abgenommen. Das Leben selbst zum Beispiel. Mit jedem Atemzug geht das Leben durch mich hindurch. Ganz von alleine. Mit jedem Pulsschlag, also im Durchschnitt 60 bis 80 Mal pro Minute, werde ich daran erinnert.

Ich will mich davor hüten, vor der Last, mit der ich mich selber belade. Ich nehme mir stattdessen vor, den inneren Teufel in die Wüste zu jagen, weil er mir so schwer wurde. Ich will mich Gott anzuvertrauen, weil er mir Leichtigkeit verheißt.

Kyrie

Manfred Wussow (2018)

Herr,
du eckst mit deinem Wort auch an.
Nicht alles, was du sagst, kommt bei uns an.
Herr, erbarme dich
.
Christus,
du triffst mit deinem Wort ins Schwarze.
Dir übergeben wir unsere Empfindlichkeiten.
Christus, erbarme dich.

Herr,
du gibst der Liebe das letzte Wort.
Bewahre uns davor, sie in kalten Herzen zu verlieren.
Herr, erbarme dich.

Der allmächtige Gott erbarme sich unser.
Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben.
Amen.

Gloria: GL 814

Gebet (nach der Sonntagsbibel)

Lasset uns beten:

Gott,
du hast in unser Herz die Sehnsucht
nach Glück und Freude gelegt.
Hilf uns,
alles aus deiner Hand zu erwarten
und unser Herz für deine Liebe zu öffnen.
Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Bruder und Herrn.

Amen.

Evangelium (MK 1,21-28)

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus:

In Kafarnaum ging Jesus am Sabbat in die Synagoge und lehrte.
Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre;
denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat,
nicht wie die Schriftgelehrten.
In ihrer Synagoge saß ein Mann,
der von einem unreinen Geist besessen war.
Der begann zu schreien:
Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret?
Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen?
Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.
Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlass ihn!
Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her
und verließ ihn mit lautem Geschrei.
Da erschraken alle, und einer fragte den andern:
Was hat das zu bedeuten?
Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet.
Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl.
Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.

Homilie (Predigtgedanken)

Bei der Predigtvorbereitungen:

„Gibt es eigentlich den Teufel?“ Das kleine Mädchen aus Grundschule will es ganz genau wissen. Es schaut mich erwartungsvoll an und bringt mich ganz schön ins Nachdenken. Wie erkläre ich diesem Kind denn jetzt, was mir zu diesem Thema einfällt?

„Meinst Du den Teufel, so wie er manchmal gemalt wird, so mit Hörnchen und einem Ziegenfuß?“ Sie nickt begeistert. Ich schüttele den Kopf. „So einen Teufel gibt es nicht, das wäre ja einfach, und so einfach macht es uns der Teufel nicht.“ „Also glaubst Du an den Teufel?“, fragt sie!

„Ich glaube an Gott“ antworte ich und merke, dass sie von dieser Antwort enttäuscht ist. Kann ich ihr erklären, dass der Teufel auch Diabolos heißt, der Durcheinanderwerfer? Erzählen, dass mir dieser Diabolos dann einfällt, wenn Menschen nach einer schrecklichen Tat fassungslos berichten, dass sie ganz außer sich waren, völlig durcheinander.

Oder soll ich es mir leicht machen und einfach behaupten, es gäbe nichts Teuflisches auf der Welt? So viel hat sie von der Welt schon verstanden; sie würde sofort erkennen, dass diese Behauptung lächerlich ist.

„Ich habe keine Ahnung, wie der Teufel aussieht“ sage ich ihr wahrheitsgemäß. „Ich habe mich auch schon gefragt, ob es ihn überhaupt gibt. Aber manchmal bin ich so bestürzt darüber, dass Menschen sich so furchtbar weh tun und einander verletzen können, dass ich nur sagen kann: Wahrscheinlich gibt es ihn, den Teufel.“

„Und was kann man gegen ihn tun“ fragt sie. „In der Bibel lesen“, gebe ich zur Antwort. Denn die Bibel erzählt von Jesus, der nicht auf den Teufel reingefallen ist. Und er möge uns allen dabei helfen, dir und den großen Erwachsenen, es ihm nachzutun.

„Würdest du auf ihn reinfallen?“ Kinder können wirklich anstrengend sein! Jetzt ist mir diese gute Antwort eingefallen und dann fragt die noch etwas. Kinder brauchen ehrliche Antworten. „Ja, wahrscheinlich wäre ich auf ihn hereingefallen, weil ich ja nicht Jesus bin. Ich bin auch schon auf ihn reingefalle und kam dann „in Teufels Küche“.

Dank der Bibel bin ich aber vor dem Bösen gewarnt. Und „erlöse mich von dem Bösen“, so bete ich täglich, sage ich ihr. „Ich bete darum, dass ich ihn nicht mehr so teuflisch ernst nehme.“

HALTEN SIE EINEN MOMENT INNE. WENDEN SIE SICH BEWUSST AN JESUS

Glaubensbekenntnis: GL 830

Das Apostolische Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde, / und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, / empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, / gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, / hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, / aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; / von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. / Ich glaube an den Heiligen Geist, / die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, / Vergebung der Sünden, / Auferstehung der Toten / und das ewige Leben. / Amen.

Fürbitten zum Anhören:

Fürbittruf: GL 832

Fürbitten zum Mitlesen:

Vgl. Manfred Wussow (2012)

Im heutigen Evangelium hören wir die bösen Geister sagen:
„Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret?
Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen?
Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.“ Zu ihm, der für uns wahrhaft
der Heilige Gottes ist, uns beten:


Für die Menschen, die sich mit den bösen Geistern anlegen,
sich nicht einschüchtern lassen von bösen Reden und Stimmungsmache.
Für alle, die offen ihre Meinung dagegenhalten.
Stärke ihnen den Rücken – und hilf uns,
ihnen nicht in den Rücken zu fallen.
Wir rufen zu dir: Herr, lass uns in deiner Nachfolge leben.

Für die Menschen, die mit bösen Geistern Frieden geschlossen haben,
die einfach in Ruhe gelassen werden wollen
und sich aus allem heraushalten.
Wecke sie auf – und hilf uns, ihnen Beine zu machen.
Wir rufen zu dir: Herr, lass uns in deiner Nachfolge leben.

Für die Menschen, die mit bösen Geistern, den Ängsten der Menschen, ihr Geld verdienen,
andere ausnutzen und sich hinter hohlen Phrasen und hinter ihrer eigenen Polemik verstecken.
Stell dich ihnen in den Weg – und hilf uns, ihnen nicht auf den Leim zu gehen.
Wir rufen zu dir: Herr, lass uns in deiner Nachfolge leben.

Für uns bitten wir: dass wir mutig und unverzagt
in unseren Gemeinden Menschen eine Heimat geben,
uns ihrer Sorgen annehmen
und ihnen deinen guten Geist, deinen Heiligen Geist, verkünden.
Lass uns die Ideen nicht ausgehen –
dein Wort in die Welt zu tragen.
Wir rufen zu dir: Herr, lass uns in deiner Nachfolge leben.

Du kennst unsere kleine Welt.
Schenke uns Liebe und Leidenschaft für deine große Welt,
Sehnsucht und Vertrauen in dein Reich.
Du gehst uns voraus.
Lass uns in deiner Nähe bleiben.
In Christus, unserem Herrn.

Vaterunser

Schlussgebet

Manfred Wussow (2018)

Lasset uns beten:

Du kennst unsere Wege und Träume, Gott.
Was uns verborgen ist, nimmst du in die Hand,
was wir nicht verstehen, ist in deinem Herzen.
Es fällt uns schwer, der Liebe das letzte Wort zu lassen.
Wir wägen ab,
wir sind vorsichtig,
wir sind ängstlich.
Aber wenn du uns deinen Geist schenkst,
springen wir über unsere Schatten,
überwinden Zweifel
und lassen uns nichts mehr einreden.
Wir gehen jetzt wieder in unseren Alltag.
Viele Proben warten auf uns,
Proben unserer Gelassenheit,
unseres Mutes, unseres Glaubens.
Schenke uns deine Liebe.
Und die Zukunft, die uns große Schritte wagen lässt
In Christus, unserem Herrn. – Amen.  

Segenslied: GL 835 (Herr, wirr bitten: Komm und segne uns)

Segensgebet

Bitten wir den Herrn um seinen Segen:

Der Herr sei vor dir,
um dir den rechten Weg zu zeigen.
Der Herr sei neben dir,
um dich in die Arme zu schließen
und dich zu schützen gegen die Gefahren
von rechts und von links.
Der Herr sei hinter dir,
um dich zu bewahren
vor der Heimtücke böser Menschen.
Der Herr sei unter dir,
um dich aufzufangen, wenn du fällst,
und dich aus der Schlinge zu ziehen.
Der Herr sei in dir,
um dich zu trösten,
wenn du traurig bist.
Der Herr sei um dich herum,
um dich zu verteidigen,
wenn Leute über dich herfallen.
Der Herr sei über dir,
um dich zu segnen.
Es segne dich der gnädige Gott
heute und morgen.

Wir wünschen Ihnen einen frohen Sonntag

und eine gesegnete neue Woche!