Die Beichte – das Sakrament der Versöhnung

In unserer Pfarrei Heilig Geist wollen wir (Pfarrer Paul und Kooperator Pater Kübler) künftig das Sakrament der Beichte anbieten.

Dieses Sakrament ist – unverdientermaßen – etwas außer Mode geraten. Vielleicht sind gerade die Erfahrungen in dieser Corona-Zeit aber eine Hilfe für uns Christen dieses Geschenk Gottes wieder neu zu entdecken. Das Leben ist endlich und wir bleiben uns, den anderen und nicht zuletzt Gott auch immer etwas schuldig.

Der modernere Name der Beichte „Sakrament der Versöhnung“ bringt meines Erachtens den Geschenkcharakter des Sakraments zur Geltung. Sich Versöhnen. Das heißt etwas wieder gut machen. Und dass jeder etwas hat in seinem Leben, das wieder gutgemacht werden muss, darüber sind wir uns sicherlich einig.

Gott will, das hat er durch seinen Sohn gesagt, dass wir das Leben haben und es in Fülle haben und nicht ewig die alten Geschichten, Verletzungen und böse Taten (Sünden) mit uns rumschleppen. Sondern er will uns frei machen. Und nur die Wahrheit macht uns frei.

Also – trauen sie sich. Machen sie diese vielleicht neue Erfahrung eines befreienden, heilenden und guten Gespräches im Sakrament.
Übrigens…
Sakramente sind besondere Zeichen, durch die wir uns Gott ganz nahe fühlen. Sie sollen uns zeigen, dass Gott unser ganzes Leben begleitet: wenn wir geboren werden oder wenn wir heiraten, aber auch wenn wir krank sind, sterben oder Schweres auf uns geladen haben.

Es wird jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat um 17 Uhr das Sakrament der Beichte angeboten.
Am zweiten Sonntag in Geinsheim im Beichtstuhl oder im Beichtzimmer (Sakristei) in der Pfarrkirche St. Peter & Paul, Geitherstraße 1, 67435 Neustadt. An vierten Sonntag in der Pfarrkirche St. Pius, Max-Slevogt-Straße 1, 67434 Neustadt ebenfalls im Beichtzimmer, das sie über die Kirche und den Vorraum der Sakristei erreichen.

Wann wird die Beichte angeboten?
Wann sollte ich zur Beichte gehen?

Jeder Mensch erfährt auf seinem Lebensweg, dass er nicht nur Gutes tut, sondern häufig auch seine eigenen Ansprüche verfehlt. Vor Verfehlungen und Unbarmherzigkeiten ist auch ein getaufter Christ nicht geschützt, egal wie hoch er seine eigenen Ansprüche gesetzt hat. Wenn Sie sich also darüber bewusst sind, dass Sie eine schwere Sünde begangen haben, sollten Sie mindestens einmal im Jahr, in jedem Fall aber vor dem Empfang der Heiligen Kommunion zur Beichte gehen. Hier können Sie nicht nur schwere Verfehlungen, sondern auch die kleinen Dinge ansprechen, bei denen Sie vielleicht unbarmherzig anderen oder sich selbst gegenüber gewesen sind.

Was wird mir eigentlich erlassen, wenn ich beichten gehe?

Durch die sündhafte Tat entscheidet sich der Mensch bewusst gegen Gott und stellt sich somit auch gegen seinen Heilsplan. Durch die Beichte wird der Beichtende wieder mit Gott und der Kirche versöhnt und ihm werden seine Sünden vergeben. Der Beichtende wird so grundlegend mit sich und seiner Umwelt versöhnt und kann aus diesem Geschenk seinem Leben eine neue und bessere Ausrichtung geben.

Ist man nach der Beichte noch für die Folgen seiner Tat verantwortlich?

Ja, man ist auch nach der Beichte noch für die Folgen seiner Tat verantwortlich. Durch die Beichte wird man zwar mit Gott, mit der Kirche und mit seinen Mitmenschen versöhnt, allerdings muss man für begangene Schuld auch weiterhin geradestehen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn man eine Straftat verübt hat. Die weltlichen Strafgesetze behalten weiterhin ihre Gültigkeit.

Macht es einen Unterschied, ob ich in einem Beichtstuhl oder in einem Beichtzimmer beichte?

Nein, es macht keinen Unterschied, sondern es kommt vor allem auf Ihre persönlichen Bedürfnisse an. Der Beichtstuhl bietet eine gewisse Anonymität, und manchen Menschen fällt es leichter, über ihre Sünden und Verfehlungen zu sprechen, wenn sie ihrem Gegenüber nicht direkt in die Augen schauen müssen. Andere hingegen möchten ihren Gesprächspartner sehen und schätzen daher die Atmosphäre eines Beichtzimmers. Sie sollten daher überlegen, welche Gesprächssituation Ihnen mehr liegen könnte und in welcher Umgebung Sie ungezwungener über Ihren Glaubens- und Lebensweg sprechen können. Wenn Sie sich unsicher sind, können Sie den Priester auch im Vorfeld ansprechen und Ihn um Rat bitten.

Gibt es Sünden, die in der Beichte nicht erlassen werden können?

Man kann alle Sünden und Verfehlungen beichten, denen man sich bewusst ist. Allerdings gibt es besonders schwere Sünden, die zum Beispiel die Exkommunikation der betreffenden Person nach sich ziehen. Solche Sünden können nicht einfach in der Beichte vergeben werden. Hierzu sind nur der Apostolische Stuhl, der Ortsbischof oder speziell hierfür ermächtigte Priester in der Lage. Lediglich wenn Sie sich in Todesgefahr befinden, kann Sie jeder Priester von jeder Sünde und Exkommunikation lossprechen.

Sollte ich eher bei einem fremden oder bei einem mir bekannten Priester beichten gehen?

Das können Sie völlig frei entscheiden. Generell können Sie bei jedem Priester in jeder Pfarrei die Beichte ablegen. Das heißt, dass Sie den Priester nicht kennen müssen, um bei ihm die Beichte abzulegen. Häufig kann es aber besser sein, einen Priester zu wählen, der Ihren Lebensweg kennt und daher viel individueller auf Sie eingehen kann. Je kontinuierlicher Sie mit derselben Person über Ihren Lebens- und Glaubensweg sprechen, desto besser lernt er Ihre Stärken und Schwächen kennen und kann Sie auf Dinge hinweisen, die Sie selbst vielleicht noch gar nicht gesehen haben.

Muss ich die Verfehlungen auch bereuen, die ich im Beichtgespräch anspreche?

Damit Ihnen in der Beichte Vergebung zugesprochen werden kann, müssen Sie Ihre Fehler und Sünden vorher auch bereuen und den ehrlichen Vorsatz fassen, nach der Beichte nicht mehr zu sündigen. Das ist sozusagen der Beitrag, den ein Christ vor der Beichte leisten muss. Dennoch sollten Sie nicht mit Angst in das Beichtgespräch gehen. Vielmehr können Sie Ihr Hadern mit den eigenen Verfehlungen offen ansprechen und es so zu einem Teil des Beichtgesprächs werden lassen. Häufig wird auch erst während des Gesprächs mit dem Priester deutlich, wo die eigenen Verfehlungen liegen, sodass man gestärkt aus dem Gespräch gehen kann.

Ich habe auf meinem Lebensweg schon viele Fehler begangen. Einige davon sind mir bis heute peinlich. Kann ich einen Priester überhaupt mit so etwas belasten?

Die Beichte ist genau der Ort, wo Sie Ihre Vergangenheit zur Sprache bringen können und offen über Brüche in Ihrem Lebensweg reden können. Für viele Menschen ist das Aussprechen der eigenen Fehler ein wichtiger Schritt, um mit ihnen fertig zu werden und mit sich selbst Frieden zu schließen. Priester sind auf solche Beichtgespräche gut vorbereitet und können mit viel Erfahrung zur Seite stehen.

Was ist das Beichtgeheimnis?

Das Beichtgeheimnis ist eines der schwerwiegendsten Pflichten eines Priesters und darf nicht gebrochen werden. Das Beichtgeheimnis umfasst alle Sünden, die Sie während der Beichte dem Priester anvertrauen. Er ist zum absoluten Stillschweigen verpflichtet und darf sich weder mit anderen Priestern über das Beichtgespräch unterhalten noch weltlichen Gerichten oder der Polizei Auskünfte über das Gespräch erteilen.

Das Leben zur Sprache bringen

Die Vorbereitung auf die Beichte kann wie eine Entdeckungsreise sein. Sie bedarf einer kritischen Auseinandersetzung mit sich selbst und seinen Lebensentwürfen. Nicht immer war der Weg, den man eingeschlagen hat, der richtige. Hier ein paar Denkanstöße, die bei der Reflexion behilflich sein können.

  1. Passt das Leben, das ich im Augenblick führe, noch zu mir? Lebe ich so, wie es mir guttut, oder habe ich mich zu stark den Erwartungen anderer angepasst?
  2. Welche Beziehung habe ich zu Gott? Wie und wann bete ich? Wie bringe ich mich und meine Fähigkeiten in die Gemeinschaft der Glaubenden ein?
  3. Wie gestalte ich mein Familienleben? Sind Besuche bei den Eltern oder bei Verwandten nur eine lästige Pflicht? Versuche ich, meinen Kindern ein guter Weggefährte zu sein?
  4. Stehe ich auch dann zu meinen christlichen Werten, wenn andere mich deswegen belächeln?
  5. Wie gehe ich mit meiner Zeit um? Flüchte ich in alle möglichen Aktivitäten? Oder fülle ich Zeit, indem ich Freundschaften pflege, Dinge bewege, Wissen mehre, über mich nachdenke?
  6. Wie sorge ich für mich selbst? Gehe ich gut mit meinem Körper und meiner Seele um? Dazu gehören gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung und Entspannung ebenso wie Beten, Nachdenken, Gottesdienste feiern.
  7. Lebe ich authentisch? Nehme ich mich so an, wie ich bin, ohne mich verstellen zu müssen? Oder lege ich Wert darauf, bei anderen immer gut anzukommen und im Mainstream mit zu schwimmen?
  8. Stehe ich zu mir, zu meinen Stärken und Fähigkeiten, ohne überheblich zu sein? Stehe ich andererseits zu meinen Fehlern und Schwächen, ohne mich selber kleinzumachen?
  9. Konzentriere ich mich im Gespräch voll und ganz auf den anderen? Höre ich richtig zu? Lasse ich mein Gegenüber ausreden? Wähle ich meine Worte mit Bedacht?
  10. Beurteile und bewerte ich öfter Menschen – um vielleicht von meinen eigenen Schwächen und Fehlern abzulenken?
  11. Können andere sich auf mich verlassen? Stehe ich zu meinem Wort? Bin ich zuverlässig?
  12. Bin ich ganz bei der Sache – im Gespräch, im Gebet, in meinem Tun? Gehe ich achtsam mit Menschen und Dingen um?
  13. Sorge ich dafür, dass Menschen sich in meiner Gegenwart wohlfühlen? Bringe ich ihnen Wertschätzung entgegen – auch wenn sie nicht der üblichen Norm entsprechen?
  14. Bleibe ich in Konfliktsituationen sachlich – oder lasse ich mich provozieren? Gehe ich nach einem Streit auf den anderen zu und reiche ihm die Hand zur Versöhnung? Oder bestehe ich darauf, im Recht zu sein?
  15. Dränge ich mich gern in den Vordergrund? Nehme ich mich und meine Arbeit zu wichtig? Oder überlasse ich auch mal anderen souverän das Feld?
  16. Bemühe ich mich um Gelassenheit in allen Lebenssituationen? Oder lasse ich mich bei jeder auch noch so kleinen Herausforderung aus der Bahn werfen?
  17. Bemühe ich mich Tag für Tag aufs Neue um Dankbarkeit und Lebensfreude, die ansteckend auf andere wirkt?
  18. Sehe ich immer alles zu negativ? Steht Jammern und Nörgeln bei mir auf der Tagesordnung? Bin ich neidisch auf den Erfolg des Kollegen, darauf, wie gut er bei anderen ankommt?
  19. Erhebe ich oft den moralischen Zeigefinger, um letztlich von mir selber abzulenken? Schaue ich selbstgerecht auf andere herunter, die ihr Leben nicht in den Griff bekommen?
  20. Wo positioniere ich mich als Christ in Gesellschaft und Politik? Wie gehe ich mit den Ressourcen der Natur um? Wie ist mein Verhältnis zum Geld und zum Konsum?

Quelle: Die Fragen und Anregungen zum Thema Beichte sind entnommen: https://www.katholisch.de/artikel/4506-beichte