St. Jakobus Hambach
Eine Kirche am Weg – hoch über Hambach, umgeben von Weinbergen und geprägt von Jahrhunderten des Glaubens. Mittelalterlicher Turm, barockes Kirchenschiff und Jakobus, der Patron der Pilger, erzählen hier gemeinsam Geschichte.
Eine Kirche am Weg
Manche Kirchen stehen einfach irgendwo.
St. Jakobus tut das nicht.
Die Kirche steht auf einem alten Weg – und eigentlich erzählt schon ihr Name davon. Jakobus ist der Patron der Pilger. Tatsächlich liegt die Hambacher Kirche an einer alten Pilgerroute, die über viele hundert Kilometer bis nach Santiago de Compostela führt.
Das ist vielleicht mehr als eine historische Randnotiz. Denn Kirchen sind oft Orte für Menschen, die unterwegs sind.
Manche kommen mit festem Ziel. Manche eher zufällig. Manche suchen Gott. Manche suchen Ruhe. Manche suchen einen Parkplatz und finden dabei vielleicht noch etwas anderes.
St. Jakobus war und ist also eine Kirche am Weg.
Und vielleicht ist das eine ganz gute Beschreibung für Glauben überhaupt: nicht immer fertig, nicht immer angekommen – aber unterwegs.
Menschen für St. Jakobus
Gemeinde lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen. Hier sehen Sie, wer sich für St. Jakobus Hambach im Pastoralteam, im Pfarreirat, im Gemeindeausschuss und im Verwaltungsrat einbringt.
Pastoraler Ansprechpartner
Für die pastorale Begleitung der Gemeinde St. Jakobus.
Pfarreirat
Hambachs Stimme im Pfarreirat der Pfarrei Heilig Geist.
Gemeindeausschuss
Die Menschen, die das kirchliche Leben vor Ort mitgestalten.
Verwaltungsrat
Die Vertreter aus St. Jakobus für Gebäude, Finanzen und Verwaltung.
St. Jakobus auch digital entdecken
Dieser virtuelle Rundgang ist eine Einladung, St. Jakobus Hambach einmal aus einer anderen Perspektive kennenzulernen.
Die Möglichkeiten der heutigen Technik helfen uns dabei, unseren Kirchenraum auch digital zugänglich und erlebbar zu machen.
So können Sie St. Jakobus jederzeit besuchen – ganz gleich, ob von zu Hause, aus dem Urlaub oder zur Vorbereitung auf einen Gottesdienst, eine Taufe, eine Hochzeit oder eine andere Feier in unserer Kirche.
Natürlich kann ein virtueller Rundgang den persönlichen Besuch nicht ersetzen. Eine Kirche ist mehr als das, was man sehen kann.
Sie lebt von ihrer Atmosphäre, von der Stille und dem Gebet, vom Klang der Musik, von den Gottesdiensten und nicht zuletzt von den Menschen, die hier zusammenkommen.
Aber ein virtueller Rundgang kann eine erste Tür öffnen. Und manchmal führt eine Tür auf dem Bildschirm am Ende durch eine ganz wirkliche Kirchentür.
Ich freue mich über Ihre Rückmeldungen, Anregungen und Verbesserungsvorschläge.
Viel Freude beim Entdecken unserer Kirche St. Jakobus Hambach!
Ihr
Dekan Michael Paul
360° – St. Jakobus virtuell entdecken
360°-Panoramarundgang
Manchmal beginnt ein Weg zu Gott mit einem ersten Blick.
Mit unserem 360°-Rundgang können Sie St. Jakobus ganz in Ruhe virtuell erkunden.
Bewegen Sie sich mit Maus oder Finger frei durch die Panoramabilder, schauen Sie in alle Richtungen und entdecken Sie Details unserer Kirche – fast so, als wären Sie selbst vor Ort.
So bedienen Sie den virtuellen Rundgang
Am Computer
Halten Sie die linke Maustaste gedrückt und bewegen Sie die Maus, um sich frei im Kirchenraum umzusehen. Mit dem Mausrad können Sie hinein- und herauszoomen.Mit dem Touchpad
Klicken und halten Sie die linke Touchpad-Taste gedrückt und bewegen Sie den Finger. Zum Zoomen verwenden Sie – sofern unterstützt – die Zwei-Finger-Geste.Smartphone & Tablet
Streichen Sie mit dem Finger über das Panorama. Auf vielen Geräten können Sie den Kirchenraum zusätzlich erkunden, indem Sie das Gerät bewegen.Von Station zu Station
Der virtuelle Rundgang führt Sie zu verschiedenen Orten in und um St. Jakobus Hambach.
Über die einzelnen Panoramen können Sie den Kirchenraum aus unterschiedlichen Perspektiven entdecken und sich dabei ganz frei umsehen.
Zur Orientierung finden Sie im Rundgang ein Menü am linken Bildschirmrand. Dort können Sie die einzelnen Stationen direkt auswählen.
Sie bestimmen selbst Ihren Weg: Bleiben Sie dort etwas länger, wo es etwas zu entdecken gibt, drehen Sie sich um 360 Grad, schauen Sie nach oben oder unten und gehen Sie dann weiter.
Und vielleicht passt gerade zu St. Jakobus, dem Patron der Pilger, dieser Gedanke besonders gut:
Auch ein virtueller Rundgang ist ein kleiner Weg. Noch sind es Mausbewegungen, Fingerstriche und ein paar Klicks. Aber vielleicht wird daraus irgendwann ein ganz wirklicher Weg nach Hambach und durch die Tür unserer Kirche.
St. Jakobus entdecken
Eine Kirche voller Geschichte – und manches entdeckt man erst beim zweiten Blick.
Eine Kirche, die schon einiges gesehen hat
Die Geschichte dieses Ortes reicht weit zurück. Bereits im 9. Jahrhundert soll hier eine Holzkirche gestanden haben.
1221 gab Bischof Konrad von Speyer die Anweisung, eine steinerne Kirche zu errichten. Im Jahr 1274 war sie vollendet.
Von diesem mittelalterlichen Bau ist heute vor allem der Turm erhalten.
In seinem Inneren befinden sich Fresken aus dem 14. Jahrhundert.
Die Kirche liegt auf dem Kirchberg, umgeben von Weinbergen und weithin sichtbar über Hambach. Dieses Gotteshaus wollte offenbar nie ganz übersehen werden.
Außen alt – innen eine Überraschung
Wer von außen den mittelalterlichen Turm sieht, könnte erwarten, dass es im Inneren genauso weitergeht.
Tut es aber nicht.
Das heutige Kirchenschiff entstand um 1750 und ist barock gestaltet.
Schon beim Eintreten zieht der Raum den Blick nach vorne: zu den Seitenaltären, zum Chorbogen und zum Hochaltar.
Mittelalter und Barock wohnen hier also friedlich unter einem Dach.
Das gelingt bekanntlich nicht jeder Wohngemeinschaft.
Jakobus – ein Heiliger mit Reisegepäck
Im Mittelpunkt des Hochaltars steht der Apostel Jakobus.
Das Altarbild zeigt ihn als Pilger: mit Stab, Brotbeutel und Muschel.
Das Bild stammt vom Bruchsaler Hofmaler Johann Lothar Schweickart und entstand um 1750.
Besonders spannend ist seine eigene Geschichte: Das Bild galt fast 40 Jahre als verschollen.
Man könnte sagen: Selbst Jakobus war eine Zeit lang unterwegs.
Heute ist das Bild wieder an seinem Platz.
Bitte auch einmal nach oben schauen
Kirchenbesucher haben eine merkwürdige Angewohnheit: Sie schauen meistens geradeaus.
In St. Jakobus wäre das schade.
Die Deckenmalerei erzählt in großen Bildern von der christlichen Heilsgeschichte: von der Verkündigung an Maria und der Geburt Jesu bis zu seinem Tod am Kreuz.
Auch Eucharistie und Sakramente werden in dieses große Bild einbezogen. Die Linien der Komposition führen schließlich zum Heiligen Geist.
Fast könnte man sagen: Die Kirche hat ihre Theologie an die Decke geschrieben.
Über dem Chorbogen
Über dem Chorbogen steht der Satz:
„Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünden der Welt!“
Damit bekommt der Kirchenraum eine klare Blickrichtung: Was man sieht, soll helfen, tiefer zu verstehen.
Vielleicht schaut man in einer Kirche deshalb nicht nur nach vorne, sondern gelegentlich auch ganz bewusst nach oben.
Eine Spur vor der Kirchentür
Auch draußen endet die Geschichte nicht.
Vor der Kirche steht ein steinernes Friedhofskreuz aus dem Jahr 1731 mit Maria und Johannes.
Es erinnert daran, dass sich rund um St. Jakobus früher der Friedhof des Ortes befand.
Bis 1821 wurden hier Menschen bestattet.
Der Ort erzählt daher nicht nur von Kunst und Architektur.
Er erzählt von Menschen: von Taufen und Hochzeiten, von Gottesdiensten und Abschieden, von Festen und Trauer, von Generationen, die kamen und gingen – während die Kirche blieb.
Jakobus im Mittelpunkt
Das Altarbild im Hochaltar von St. Jakobus – ein Bild vom Unterwegssein, vom Loslassen und vom Ankommen.
Ein Heiliger, der unterwegs bleibt
Wer den Hochaltar von St. Jakobus betrachtet, begegnet in seiner Mitte unserem Kirchenpatron. Das historische Altarbild zeigt Jakobus als Pilger – und zugleich schon vom Himmel empfangen.
Stab, Muschel und Reisegepäck erzählen vom Weg. Die Engel, der Palmzweig und der Kranz erzählen vom Ziel. So wird das Bild fast zu einer kleinen Predigt darüber, was Glauben bedeuten kann: unterwegs sein – und darauf vertrauen, dass der Weg nicht ins Leere führt.
Unterwegs mit leichtem Gepäck
Jakobus schwebt.
Das ist zunächst einmal erstaunlich. Denn eigentlich kennt man Pilger anders: mit festen Schuhen, schwerem Rucksack, schmerzenden Füßen und irgendwann dieser tiefen spirituellen Erkenntnis, dass fünf Kilometer sehr lang sein können.
Aber auf unserem Altarbild ist Jakobus schon ein Stück weiter.
Der Pilgerstab ist noch da. Die Muschel trägt er auf der Brust. Seine ganze Geschichte ist also nicht verschwunden. Der Weg gehört zu ihm. Die Mühen, die Umwege, das Unterwegssein – all das darf mit in den Himmel.
Nur eines hat sich verändert:
Jakobus muss sich nicht mehr festhalten.
Eine Hand liegt auf seinem Herzen. Die andere ist geöffnet. Fast so, als hätte er begriffen, dass der entscheidende Augenblick des Glaubens nicht darin besteht, alles im Griff zu haben, sondern darin, sich tragen zu lassen.
Über ihm kommen die Engel entgegen. Einer bringt den Palmzweig des Martyriums, ein anderer hält den Siegeskranz bereit. Das wirkt beinahe wie ein himmlisches Empfangskomitee. Und vielleicht ist es genau das: die Zusage, dass kein Weg, der mit Gott gegangen wird, einfach im Nichts endet.
Ganz unten auf dem Bild liegt die Welt. Häuser, Landschaft, Wege. Das Leben, wie wir es kennen.
Und über ihm der Himmel.
Eigentlich ist das ganze Bild eine kleine Landkarte unseres Lebens.
Wir sind unterwegs.
Und manchmal schauen wir nach oben.
Dabei tragen wir unsere ganz eigenen Pilgermuscheln mit uns: Erfahrungen, Menschen, Hoffnungen, auch Verletzungen. Manches davon hätten wir uns nicht ausgesucht. Manches schleppen wir schon erstaunlich lange durch die Gegend.
Vielleicht fragt dieses Bild deshalb nicht zuerst:
Sondern:
Denn man kann sehr schnell unterwegs sein und trotzdem in die falsche Richtung laufen. Das gilt für Pilgerwege ebenso wie für Terminkalender.
Jakobus erinnert uns daran: Unser Leben hat ein Ziel. Nicht Erfolg. Nicht Perfektion. Nicht einmal ein möglichst störungsfreier Lebenslauf.
Das Ziel ist Gott.
Und vielleicht besteht Glaube manchmal genau darin, die Hand ein wenig zu öffnen.
Nicht alles absichern.
Nicht alles selbst tragen.
Sondern darauf vertrauen:
Und irgendwann, so erzählt dieses Bild, wird aus dem mühsamen Pilgern ein Getragenwerden.
Das ist vielleicht die schönste Verheißung für alle, die gerade schwere Schuhe tragen.
Das Jakobusbild vor und nach der Restaurierung
Wer sehen möchte, wie sich das historische Jakobusbild durch die Restaurierung verändert hat, kann die Aufnahmen direkt miteinander vergleichen.
Es ist erstaunlich, was eine gute Restaurierung bewirken kann. Manchmal muss man vorsichtig Schicht um Schicht freilegen, bis das Eigentliche wieder sichtbar wird.
Das gilt übrigens nicht nur für alte Gemälde.
Von St. Jakobus zur Pfarrei Heilig Geist
Auch die jüngere Geschichte von St. Jakobus ist eine Geschichte des Zusammenwachsens.
St. Jakobus war über viele Jahrhunderte eine eigenständige Pfarrei. In den letzten Jahrzehnten veränderten sich jedoch die kirchlichen Strukturen.
Gemeinden arbeiteten enger zusammen, Pfarreiengemeinschaften entstanden und schließlich wurde St. Jakobus Teil der heutigen Pfarrei Heilig Geist Neustadt.
St. Jakobus hat dabei seine eigene Geschichte und seine besondere Identität behalten – und bringt beides heute in die größere Gemeinschaft der Pfarrei ein.
St. Jakobus Hambach wird Teil einer Pfarreiengemeinschaft mit St. Pius Neustadt und St. Remigius Diedesfeld.
Damit beginnt eine engere Zusammenarbeit der drei benachbarten Pfarreien.
Die Zusammenarbeit wird neu geordnet. St. Jakobus Hambach und St. Pius Neustadt bilden gemeinsam eine Pfarreiengemeinschaft.
Im Zuge der Vorbereitung auf die anstehende Pastoral- und Strukturreform werden St. Jakobus und St. Pius enger in die bestehende Pfarreiengemeinschaft eingebunden.
Damit wird bereits der Weg zu der größeren pastoralen Einheit sichtbar, aus der später die Pfarrei Heilig Geist hervorgeht.
Mit der Neuordnung der Pfarreien wird St. Jakobus Hambach eine Gemeinde der neuen Pfarrei Heilig Geist Neustadt.
Zur Pfarrei gehören die Gemeinden St. Jakobus Hambach, St. Pius Neustadt, St. Remigius Diedesfeld, Heilig Kreuz Lachen-Speyerdorf, St. Michael Duttweiler und St. Peter und Paul Geinsheim.
Ihr Weg zu St. Jakobus
Unsere Kirche liegt auf dem Kirchberg in Hambach – mitten im Ort und doch ein wenig erhöht über den Weinbergen.
Google Maps – so finden Sie zu uns
Die Karte zeigt Ihnen die Lage von St. Jakobus in Hambach. Sie können die Karte verschieben, vergrößern und direkt eine Route zur Kirche planen.
St. Jakobus von oben betrachtet
Kirchberg, Hambach und die Weinberge aus der Vogelperspektive entdecken.
Satellitenansicht
Gerade aus der Luft zeigt sich besonders schön, wie St. Jakobus auf dem Kirchberg liegt und in Hambach sowie die umliegenden Weinberge eingebettet ist.
Das Sühnekreuz auf dem Rittersberg
Es gibt Kreuze, an denen man vorbeigeht. Und es gibt Kreuze, bei denen man stehen bleibt.
Das Sühnekreuz auf dem Rittersberg gehört wohl zur zweiten Sorte.
Es steht am Osthang des Berges oberhalb von Hambach. Wer dort ankommt, hat einen weiten Blick über die Rheinebene, hinüber zum Hambacher Schloss und über Weinberge, Dörfer und Straßen.
Eigentlich eine Aussicht, bei der man sagen möchte: Wie schön.
Und dann steht da dieses Kreuz.
Es erzählt eine Geschichte, die nicht schön ist – und gerade deshalb nicht vergessen werden sollte.
Zwei Balken und ein schweres Jahr – 1947
Im April 1947 wurde das Sühnekreuz errichtet.
Der Krieg war gerade einmal zwei Jahre vorbei. Deutschland lag in Trümmern. Viele Männer waren gefallen, andere vermisst, wieder andere kehrten erst langsam aus der Gefangenschaft zurück.
Und trotzdem geschah etwas Bemerkenswertes:
Mitglieder der katholischen Mannesjugend der Pfalz und aus der Gefangenschaft heimgekehrte Soldaten trugen zwei schwere Eichenbalken auf den Rittersberg.
Es waren keine makellosen Balken.
Sie trugen Spuren von Granatsplittern.
Vielleicht hätte man schöneres Holz finden können.
Aber vermutlich hätte schöneres Holz weniger erzählt.
Oben auf dem Berg wurden die Balken zu einem Kreuz zusammengefügt. Aus Steinen der Umgebung mauerte man einen Altar.
So entstand ein Mahnmal, das nichts beschönigen wollte.
Ein ungewöhnliches Wort: Schuld
In den senkrechten Balken schnitzte man:
VON DER KATH.
MANNESJUGEND
DES BISTUMS
SPEYER ZUR
SÜHNE FÜR
UNSERE SCHULD
VOR GOTT IM
NOTJAHR 1947
Heute stolpert man wahrscheinlich besonders über zwei Worte:
„unsere Schuld“.
Nicht die Schuld der anderen. Nicht die Schuld der Politiker. Nicht die Schuld derer, die noch viel schlimmer waren.
Unsere Schuld.
Das ist ein bemerkenswerter Satz.
Menschen besitzen eine erstaunliche Begabung darin, Schuld sehr präzise festzustellen – solange es die Schuld eines anderen ist.
1947 stellten Menschen auf dem Rittersberg ein Kreuz auf und schrieben etwas anderes darauf.
Sie schrieben: „unsere“.
Vielleicht ist gerade dieses kleine Wort das eigentlich Große an diesem Kreuz.
Sie haben das Kreuz hinaufgetragen
Das Kreuz wurde nicht einfach bestellt, geliefert und aufgestellt.
Menschen haben die Balken getragen.
Junge Männer und Heimkehrer aus der Gefangenschaft.
Menschen also, die den Krieg nicht aus einem Geschichtsbuch kannten.
Sie hatten erlebt, was Krieg mit Menschen macht.
Und sie trugen Balken, in denen noch die Einschläge von Granatsplittern zu sehen waren, einen Berg hinauf.
Das ist ein starkes Bild.
Denn über Schuld lässt sich reden.
Verantwortung aber muss man irgendwann tragen.
Vielleicht war dieser Weg auf den Rittersberg deshalb selbst schon ein Gebet.
Auch ein Kreuz wird alt – Erneuerung 1981
Ein Mahnmal steht nicht außerhalb der Zeit.
Regen fällt darauf. Schnee. Sonne. Sturm.
Irgendwann war auch das Kreuz auf dem Rittersberg alt geworden.
Das Holz war morsch, ein Sturm zerstörte es schließlich.
Im Jahr 1981 wurde das Kreuz erneuert.
Die ursprüngliche Inschrift blieb erhalten und erhielt eine Ergänzung.
Das Kreuz bekam neues Holz.
Seine Botschaft nicht.
Gold für eine unbequeme Erinnerung – 2022
Auch Buchstaben altern.
Mit den Jahren war die Inschrift verwittert und verschmutzt. Risse waren entstanden.
Man konnte immer schlechter lesen, was die Menschen von 1947 dort hinterlassen hatten.
Auf Anregung von Karl Beil aus Neustadt wurde die Inschrift im Mai 2022 vergoldet.
Das ist beinahe eine kleine Paradoxie:
Ausgerechnet das Wort Schuld bekam goldene Buchstaben.
Aber vielleicht passt das besser, als man zunächst denkt.
Denn bei einer Restaurierung geht es nicht darum, die Vergangenheit schöner zu machen.
Die Risse werden nicht ungeschehen. Die Geschichte wird nicht umgeschrieben.
Man sorgt nur dafür, dass man wieder lesen kann, was nicht vergessen werden sollte.
Geschichte hat die unangenehme Eigenschaft, nicht einfach zu verschwinden, nur weil man ein neues Kalenderblatt aufschlägt.
Ein Kreuz mit Aussicht
Heute steht das Sühnekreuz noch immer dort oben.
Und die Aussicht ist noch immer schön.
Das Hambacher Schloss ist zu sehen, die Rheinebene liegt vor einem und an klaren Tagen reicht der Blick weit ins Land.
Und mitten in dieser schönen Landschaft steht ein Kreuz, das daran erinnert, dass Schönheit und Geschichte manchmal erstaunlich nah beieinanderliegen.
Das Kreuz von 1947 zeigt nicht mit dem Finger auf andere.
Das macht es bis heute so unbequem – und vielleicht gerade deshalb so wichtig.
Vielleicht muss man an diesem Ort gar nicht viele Worte machen.
Das Kreuz steht dort seit Jahrzehnten und hat darin einen gewissen Vorsprung vor uns:
Es weiß, wann Schweigen genügt.
Melanie Konrad und Lucie Selb: Dokumentation: Vergoldung der Inschrift des Sühnekreuzes, Mai 2022.
Wikipedia: Rittersberg (Haardt), abgerufen am 10. Mai 2022.
Dokumentation zum Sühnekreuz Hambach auf Google Sites.
suehnekreuz.de – Hambach.
