Hausgottesdienst für Aschermittwoch, 17. Februar 2021

FASTENZEIT – ÖSTERLICHE BUSSZEIT

von Diakon Markus Fleischer
Lesung und Fürbitten: Thomas Rieger

Aufgenommen in der Kirche St. Pius in Neustadt:

Lied zur Eröffnung: GL 266 (Bekehre uns, vergib die Sünde)

Kreuzzeichen

V: Im Namen des + Vaters, und des + Sohnes und des + Heiligen Geistes.

A: Amen.

Einführung

Liebe Schwestern und Brüder! Mit dem Aschermittwoch beginnen wir die vierzig Tage der österlichen Bußzeit. Die Asche, die heute eine wichtige Rolle spielt, ist ein Zeichen für Vergehen und Neubeginn. Das Feuer verbrennt das Alte, es bleibt nur Asche. Doch die Asche befördert auch das Wachstum von neuem Leben. In diesem Sinn möchte uns die heutige Feier und die anschließende Fastenzeit eine Hilfe sein, das Alte hinter uns zu lassen und einen Neubeginn zu wagen, eine Neuausrichtung unseres Lebens an der frohen Botschaft Jesu.

Kyrie

Rufen wir ihn an, Jesus Christus, und machen wir uns dadurch bewusst, dass er jetzt mitten unter uns ist:

Herr Jesus Christus, du hast uns ein Vorbild gegeben und bist selbst für vierzig Tage zu Gebet und Fasten in die Wüste gegangen. Herr, erbarme dich.
Alle: Herr, erbarme dich.

Du rufst uns zu Umkehr und Buße und zu einem Leben aus deiner frohen Botschaft. Christus, erbarme dich.
Alle: Christus, erbarme dich.

Du selbst bist durch den Tod zu neuem Leben gelangt und bist so alle Tage bei uns. Herr, erbarme dich.
Alle: Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Gnädiger Gott, im Vertrauen auf deine Liebe beginnen wir diese vierzig Tage der Umkehr. Gib uns die Kraft zu Buße, Versöhnung und Neubeginn. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn.

Alle: Amen.

Hinführung zur Lesung: Joёl 2, 12−18

Heuschrecken hatten die ganze Ernte vernichtet. Es gab nichts mehr zu essen. Diese Katastrophe deutete der Prophet Joël als Gottes Strafe für das Fehlverhalten der Menschen. Er wusste aber auch, dass Gott barmherzig ist.

Lesung aus dem Buch Joël

11 Der Herr lässt vor seinem Heer seine Stimme dröhnen; sein Heer ist gewaltig, mächtig ist der Vollstrecker seines Befehls. Ja, groß ist der Tag des Herrn und voll Schrecken. Wer kann ihn ertragen?

12 Spruch des Herrn: Kehrt um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen. 13 Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um zum Herrn, eurem Gott! Denn er ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte, und es reut ihn, dass er das Unheil verhängt hat. 14 Vielleicht kehrt er um, und es reut ihn, und er lässt Segen zurück, so dass ihr Speise- und Trankopfer darbringen könnt für den Herrn, euren Gott.
15 Auf dem Zion stoßt in das Horn, ordnet ein heiliges Fasten an, ruft einen Gottesdienst aus! 16 Versammelt das Volk, heiligt die Gemeinde! Versammelt die Alten, holt die Kinder zusammen, auch die Säuglinge! Der Bräutigam verlasse seine Kammer und die Braut ihr Gemach. 17 Zwischen Vorhalle und Altar sollen die Priester klagen, die Diener des Herrn sollen sprechen: Hab Mitleid, Herr, mit deinem Volk, und überlass dein Erbe nicht der Schande, damit die Völker nicht über uns spotten. Warum soll man bei den Völkern sagen: Wo ist denn ihr Gott? 18 Da erwachte im Herrn die Leidenschaft für sein Land, und er hatte Erbarmen mit seinem Volk.

Ruf vor dem Evangelium

GL 176,5: Lob dir, Christus, König und Erlöser!

Evangelium Mt 6,1 − 6,16−18

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus.
Alle: Ehre sei dir, o Herr.

1 Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zu tun, um von ihnen gesehen zu werden; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten.
2 Wenn du Almosen gibst, posaune es nicht vor dir her, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden! Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
3 Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut,
4 damit dein Almosen im Verborgenen bleibt; und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
5 Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler! Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
6 Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer, schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
16 Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler! Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. 17 Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, 18 damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Evangelium (gelesen von Diakon Markus Fleischer)
Evangelium (gesungen)


HALTEN SIE EINEN MOMENT INNE. WENDEN SIE SICH BEWUSST AN JESUS

Predigtgedanken

Predigt (gesprochen)

Ein komischer Vogel
»Es gibt einen Vogel in Indien, genannt Phönix. Alle 500 Jahre fliegt er zu den Bäumen des Libanon und füllt seine Flügel mit Duftstoffen. Dann steigt er auf den Altar, entzündet dort das Holz und verbrennt sich selbst. Am Tag darauf findet sich in der Asche ein kleines Lebewesen. Am zweiten Tag zeigt sich dieses als Jungtier und am dritten Tag als ausgewachsener Vogel, der in seine Heimat zurück fliegt.« Diese Legende vom Phönix steht in einem sehr alten christlichen Buch über die Natur. Manche kennen sie aber auch aus der Verfilmung der Harry Potter Romane. Das christliche Buch bietet auch eine Deutung des fabelhaften Wesens: »Dieser Phönix ist ein Sinnbild für unseren Erlöser Jesus Christus«, heißt es dort. »Denn auch dieser kam vom Himmel herab. Auch er verbreitete Wohlgeruch, nämlich durch seine himmlischen Worte. Auch wir sollen Wohlgeruch verströmen durch gute Lebensführung.« Neben dieser Ermahnung zu einem Leben, das Gott wohlgefällt, erinnert das Schicksal des Phönix an das Sterben Jesu. Wie der Phönix auf dem Altar vergeht und nach drei Tagen wiederbelebt wird, so verging Jesus am Kreuz und erstand am dritten Tag zu neuem Leben. Auf dieses Geheimnis bereiten wir uns in dieser vorösterlichen Zeit vor.

Die Geschichte vom Phönix passt zum heutigen Aschermittwoch. Wie dieser seltsame Vogel, so haben auch wir heute die Gelegenheit, uns durch die Asche hindurch zu erneuern. Einige Bedingungen für eine solche Erneuerung lassen sich aus der Fabel herauslesen: Unser Neuanfang muss erstens freiwillig geschehen. Wir müssen selbst die Notwendigkeit erkennen und uns aufschwingen, etwas in unserem Leben neu zu gestalten. Sodann muss etwas Altes vergehen und zu Asche werden: eine schlechte Angewohnheit, eine alte Geschichte, die uns nachhängt, oder eine falsche Ausrichtung unseres Lebens. Für den Neustart braucht es drittens Zeit und Geduld; es geht nicht von heute auf morgen. Es braucht dafür vielleicht drei Tage, vielleicht auch die vierzig Tage der heute beginnenden Buß- und Fastenzeit. Und schließlich soll dieser Erneuerungsprozess mit Würde und Wohlgeruch vonstattengehen. Im Evangelium heißt es, wir sollen in unserer Umkehr nicht Trübsal blasen, sondern es frisch und positiv anpacken.

Wohlgeruch steigt auf
Nun sind gute Vorsätze schnell gefasst. Was aber hilft uns, sie wirklich umzusetzen? Die Kraft dazu erhalten wir im Blick auf Jesus. Am Ende der vierzig Tage feiern wir seinen Tod und seine Auferstehung. Er gibt uns damit ein Beispiel. Das neue Leben wird uns von Gott geschenkt. Wir müssen unser Herz dafür öffnen, aber es bleibt Gottes Werk, es zu verwandeln. Darum dürfen wir im Gebet bitten.

Nutzen wir diese Zeit der Gnade und der Rettung, die Gott uns eröffnet. Nicht, um grundlos abzuheben, sondern um leichter weiter zu leben, befreit von manchem Ballast. Der Phönix fliegt nach seiner Erneuerung in die Heimat zurück, erzählt die Fabel. Ein Neuanfang muss nicht in eine ganz andere Welt und in ein fremdes Leben führen. Die Kunst besteht darin, erneuert in das eigene Leben zurück zu kehren. Aus der Asche unseres Alltags kann sich etwas Neues, etwas Belebendes entwickeln. Solch ein frischer Anfang wird sein wie himmlischer Wohlgeruch.

Aschenkreuz

In Nicht-Corona-Zeiten hätten wir jetzt im Gottesdienst das Aschekreuz erhalten.

Die Asche wird in der Regel durch Verbrennen der geweihten Zweige vom letzten Palmsonntag gewonnen. Sie ist ein Zeichen der Umkehr und des Neubeginns. Das ist in diesem Jahr so nicht möglich. Wir müssen uns daher in geistiger Weise dieses Zeichen der Umkehr und des Neubeginns zunutze machen. Erinnern wir uns an das letzte Mal, wo wir dieses Aschekreuz erhalten haben und machen wir uns uns bewusst, dass es auch in diesem Jahr seine Bedeutung nicht verloren hat.

Wir beten: Hilf uns, die vierzig Tage der Buße in rechter Gesinnung zu begehen. Verzeihe uns unsere Sünden, erneuere uns nach dem Bild deines Sohnes und schenke uns durch seine Auferstehung das unvergängliche Leben. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, unseren Herrn.

Alle: Amen.

Friedenszeichen

Die Asche ist ein Zeichen für den Neubeginn. Einsicht in die eigene Unzulänglichkeit ermöglicht einen Neubeginn. Eingeständnis der eigenen Fehler ermöglicht einen Neubeginn. Eine zur Versöhnung ausgestreckte Hand als Zeichen des Friedens ermöglicht einen Neubeginn.

Geben wir einander ein Zeichen dieses Friedens.

Fürbitten

Wie Weihrauch steige unser Gebet zu Jesus Christus auf:


Für alle, die sich mit Schuld beladen haben: dass sie den Weg der Buße und Versöhnung nicht scheuen. Christus, höre uns.
Alle: Christus, erhöre uns.
Für alle, die am Rande ihrer Kräfte sind: dass ihnen neue Energie zufließt aus dem Erleben der Nähe Gottes. Christus, höre uns.
Für alle, die in ihrem Leben keine Perspektiven sehen: dass sie den Mut zu einem Neubeginn finden. Christus, höre uns.
Für alle, die Verantwortung tragen für andere – in Partnerschaft und Familie, in Beruf und Ehrenamt, in Politik und Kirche: dass sie ihrer Aufgabe gerecht werden und dem Wohl der Anderen dienen. Christus, höre uns.
Für alle, die unter der Corona-Pandemie besonders leiden und ihre Hoffnung auf Besserung verloren haben. Stärke sie mit Zuversicht und neuen Perspektiven. Christus, höre uns.
Für alle, die sich auf ihr Sterben vorbereiten: dass sie sich vertrauensvoll in Gottes Hände fallen lassen. Christus, höre uns.
Für die Menschen, die uns schon in die Ewigkeit vorangegangen sind: nimm sie auf in deine Herrlichkeit und tröste die, die hier um sie trauern. Christus, höre uns.

Vaterunser

Alle unsere Bitten wollen wir mit hineinnehmen in die Worte, die Jesus seine Freunde  zu beten gelehrt hat:

A.: Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das reich und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.

Danklied: GL 382 (Ein Danklied sei dem Herrn)

Schlussgebet

Barmherziger Gott, wir haben die vierzig Tage der Umkehr und der Buße begonnen. Stärke unsere Gemeinschaft mit dir und untereinander und hilf uns, den eingeschlagenen Weg mutig und mit Ausdauer zu gehen. Hilf du uns dabei. So bitten wir durch Christus unseren Herrn.

Alle: Amen.

Segensbitte

Während der Segensbitte können die Eltern den Kindern die Hände auflegen: Der gute Gott segne uns und begleite uns durch diese Zeit der Gnade und der Rettung, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Segenslied: GL 835, 1,4,5 (Herr, wir bitten: komm und segne uns)

Herr, wir bitten: Komm und segne uns (Gesang: Rita Christmann / Gitarre: Markus Fleischer)