Ein Kugelschreiber.
Kein „Großer Moment der Geschichte“.
Nur Küchentisch.
Briefwahlunterlagen.
Ein Umschlag.
Ein Stimmzettel.
Und dieses kleine Klick.
Plastik.
Tinte.
Vielleicht ein Werbegeschenk.
Vielleicht schon halb leer.
Vielleicht genau der,
der immer irgendwo rumliegt.
Und doch –
entscheidet sich hier etwas.
Nicht im Fernsehen.
Nicht im Talkshow-Lärm.
Sondern still.
Zwischen Kaffeetasse und Kalender.
Ich habe heute meine Briefwahlunterlagen beantragt.
Und während ich das Formular ausfüllte,
wurde mir klar:
Glaube ist selten spektakulär.
Aber er ist konkret.
Ich schaue auf das Kreuz an der Wand.
Und erst dann
mache ich das Kreuz auf dem Stimmzettel.
Ich glaube.
Und ich wähle.
Denn das Kreuz ist kein Schmuck.
Es ist Erinnerung.
Erinnerung daran,
dass Würde nicht verhandelbar ist.
Dass Macht geliehen ist.
Dass Menschen kein Material sind.
Und dass Gott –
wenn er „bei den Geringsten“ ist –
keine Schlagzeilen braucht.
Er braucht keine Lobby,
weil er sich selbst
zum Anwalt der Übersehenen macht.
Demokratie ist verteilte Macht.
Und damit: verteilte Verantwortung.
Das ist anstrengend.
Weil man nicht nur zuschauen kann.
Nicht nur schimpfen.
Nicht nur kommentieren.
Man muss sich entscheiden.
Und der Kugelschreiber
ist dabei erstaunlich ehrlich.
Er fragt nicht:
„Was ist bequem?“
Er fragt:
„Was ist menschlich?“
Ich glaube nicht,
dass alle Christen die gleiche Partei wählen müssen.
Aber ich glaube,
dass Christen prüfen sollten:
Dient diese Politik der Würde?
Schützt sie das Leben – von Anfang bis Ende?
Sucht sie Frieden – oder Feindbilder?
Baut sie Brücken – oder Mauern?
Macht sie die Schwachen sichtbar –
oder nur die Starken lauter?
Denn Christsein heißt nicht:
immer die lauteste Meinung haben.
Christsein heißt:
eine geerdete Haltung haben.
Eine Haltung, die weiß:
Jeder Mensch ist Ebenbild Gottes.
Auch der, der anders denkt.
Auch der, mit dem ich ringe.
Auch der, der mich nervt.
Würde ist nicht nur für Sympathische.
Und jetzt kommt das Befreiende:
Du musst nicht „die Welt retten“.
Du musst nicht alles lösen.
Du musst nur
deinen Teil nicht verweigern.
Ein Kreuz auf Papier
ist klein.
Aber klein heißt nicht egal.
Klein heißt: machbar.
Und manchmal ist genau das
der ganze Punkt:
Gott verlangt keine Heldentaten.
Er weckt Verantwortung.
Nicht als Druck.
Sondern als Würde.
Vielleicht fragt Gott am Ende nicht:
„Welche Partei?“
Vielleicht fragt er nur:
„Warst du Mensch?“
Warst du wach?
Warst du fair?
Warst du barmherzig –
auch dort, wo es dich etwas gekostet hat?
Du faltest den Stimmzettel.
Legst ihn in den Umschlag.
Machst ihn zu.
Kein Applaus.
Kein Chor.
Nur dieses leise Gefühl:
Ich habe nicht nur gelebt.
Ich habe mitgetragen.
Und vielleicht ist genau das
Glaube im Alltag:
Nicht laut.
Aber klar.
Türschwelle:
Haltung ist Liebe mit Rückgrat.
Und Gott ist näher, als dein Alltag denkt –
auch am Küchentisch.

