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„Ein neuer Abschnitt – für unseren Bischof und für unser Bistum“

    Heute Vormittag hat uns die Nachricht erreicht, dass Papst Leo XIV. den Rücktritt unseres Bischofs Dr. Karl-Heinz Wiesemann angenommen hat.

    Diese Nachricht bewegt mich auch ganz persönlich.

    Fast 19 Jahre war Karl-Heinz Wiesemann Bischof von Speyer. Damit hat er auch einen großen Teil meines eigenen Priesterlebens begleitet. Wenn ich heute zurückblicke, kommen mir viele Begegnungen in den Sinn: Gottesdienste und Firmungen, Gespräche und Sitzungen, große Anlässe und kleine Begegnungen am Rande. Manches offiziell, manches ganz unkompliziert und persönlich.

    Ich habe ihn dabei als einen Menschen erlebt, dem der Glaube und die Menschen wirklich am Herzen liegen. Als einen Bischof, der zuhören konnte, der nachdenklich war, der Menschen wahrgenommen hat und dem die Zukunft unserer Kirche nie gleichgültig gewesen ist.

    Und vielleicht ist es genau das, was nach vielen gemeinsamen Jahren bleibt: nicht zuerst die Erinnerung an Programme, Strukturprozesse oder bischöfliche Schreiben. Es sind Begegnungen. Worte. Gesten. Augenblicke. Die Erfahrung, ein Stück Weg gemeinsam gegangen zu sein.

    Für mich persönlich ist Bischof Wiesemann der Bischof, der einen großen Teil meines Weges als Priester begleitet und damit auch mitgeprägt hat. Dafür bin ich dankbar.

    Ein Bischofsamt ist kein Amt, das man abends einfach an der Garderobe abgibt. Es bedeutet Verantwortung für Menschen, Gemeinden und Einrichtungen, für schwierige Entscheidungen und für eine Kirche, die sich gerade in den vergangenen Jahren tiefgreifend verändert hat.

    Mit 66 Jahren beginnt für Karl-Heinz Wiesemann nun ein neuer Abschnitt – in einem Alter, in dem viele Menschen bereits einige Jahre im Ruhestand sind. Ich wünsche ihm sehr, dass nach all den Jahren voller Termine, Erwartungen und Verantwortung nun auch Zeit für ihn selbst bleibt: zum Aufatmen, für Menschen, die ihm wichtig sind, für die Musik, für Gott – und vielleicht auch einmal für einen Kalender, in dem eine freie Stelle tatsächlich eine freie Stelle bleiben darf.

    Für unser Bistum beginnt nun eine Zeit des Übergangs. Vieles ist offen. Aber nicht alles.

    Denn auch morgen werden Menschen in unseren Kirchen beten und Gottesdienst feiern. Eltern werden ihre Kinder zur Taufe bringen. Paare werden heiraten und einander vor Gott ihr Ja-Wort geben. Kinder werden zur Erstkommunion gehen, Jugendliche gefirmt werden. Menschen werden Trost suchen und Hoffnung finden, miteinander lachen und miteinander weinen. Und wir werden unsere Verstorbenen zu Grabe tragen im Vertrauen darauf, dass ihr Leben bei Gott aufgehoben ist.

    Das alles geht weiter.

    Menschen übernehmen Verantwortung und geben sie irgendwann weiter. Ämter haben ihre Zeit. Der Auftrag bleibt. Und Gott bleibt auch.

    Lieber Bischof Wiesemann, für die vielen Jahre, in denen Sie auch meinen Weg als Priester begleitet haben, sage ich von Herzen Danke.

    Für alles, was nun kommt, wünsche ich Ihnen Gottes Segen, gute Menschen an Ihrer Seite – und die Freiheit, nach vielen Jahren der Verantwortung auch einmal einfach Karl-Heinz Wiesemann sein zu dürfen.

    Michael Paul, Dekan

    Bischof Wiesemann schreibt an die Menschen

    in unserem Bistum: